KUNDEN-BONUSPUNKTE AUF TEILNAHMEKARTE DES KOLLEGEN GEBUCHT – FRISTLOSE KÜNDIGUNG?

04.01.2011

KUNDEN-BONUSPUNKTE AUF TEILNAHMEKARTE DES KOLLEGEN GEBUCHT – FRISTLOSE KÜNDIGUNG?

Grund der fristlosen Kündigung war das Verhalten eines Mitarbeiters, der in drei Fällen Umsätze von Kunden, die an einem Bonussystem, welches der Arbeitgeber zur Kundenbindung eingeführt hatte, nicht teilnahmen, in Höhe insgesamt ca. 230 Euro auf die Kundenkarte eines Kollegen verbuchte.  
Das Hessische Landesarbeitsgericht (Urteil vom 4. August 2010, Aktenzeichen: 2 Sa 422/10) ging davon aus, dass das Verhalten des Mitarbeiters, Tankbeträge fremder Kunden auf der Kundenkarte eines Kollegen zu verbuchen, als schwerwiegendes Fehlverhalten einzustufen sei. Ziel des Bonussystems sei es, Kunden an das Unternehmen zu binden. Nur hierfür sei der Arbeitgeber bereit, dem Kunden Vorteile zukommen zu lassen. Würden Mitarbeiter hingegen die von Kunden nicht in Anspruch genommenen Punkte für eigene Zwecke sammeln, werde die Absicht des Arbeitgebers unterlaufen. Dies habe der Mitarbeiter auch erkennen können und deshalb die Buchungen auf Karten seines Kollegen unterlassen müssen. Allerdings sei eine Abmahnung oder einen vorherigen Hinweis auf die Missbrauchsfolgen nicht entbehrlich. Im Hinblick auf das Fehlverhalten kann auf eine Abmahnung nicht verzichtet werden, zumal nicht angenommen werden kann, dass eine solche Abmahnung nicht erfolgsversprechend gewesen sei. Auch wenn der Zweck des Bonussystems es selbstverständlich mache, dass keine fremden Kundenumsätze Karten von Arbeitskollegen gutgeschrieben werden dürften, wäre nach dem System in Gestalt der Klebemarken, die jederzeit an Dritte weitergegeben werden konnten, eine Abmahnung notwendig gewesen, um dem Mitarbeiter die Gelegenheit zu geben, sein Verhalten entsprechend auszurichten. Aufgrund der unstreitig möglichen Übertragung von Punkten auf andere Personen habe bei dem Mitarbeiter ohne eine solche Verdeutlichung der Eindruck entstehen können, in geringem Umfang Kundenpunkte einem Kollegen gutschreiben zu können, ohne dass dies zum Verlust seines Arbeitsverhältnisses führen würde.
Marion Romankiewicz
Rechtsanwältin